Stimme macht Stimmung
Die Stimme als Symptom? Ganz genau, denn unsere Stimme spiegelt unsere Gefühle wider. Wir können also den Gemütszustand unseres Gesprächspartners anhand des Stimmklangs erkennen! Diese Erkenntnis ist deshalb so wichtig für die gesamte Stimmarbeit, weil das beste Coaching oder Training ohne die Berücksichtigung dieses Umstands keine Wirkung zeigen kann.

Die meisten meiner Stimm-Kunden kommen zu mir, weil Sie sich eine kräftigere Stimme wünschen (bei ihren Zuhörern also stimmlich nicht „ankommen“), weil sie viel sprechen müssen und häufig heiser sind oder Halsschmerzen haben, nachdem sie einen Vortrag halten mussten, oder weil man ihnen gesagt hat, sie müssten mal etwas „an ihrer Stimme tun“.
Medizinisch gesehen sind die Stimmen dieser Sprecher völlig in Ordnung und Tabletten für einen volleren Stimmklang oder eine tiefere Stimme wurden leider noch nicht erfunden (letzteres, also die tiefe Stimme, wird übrigens fast ausschließlich von Männern gewünscht – wenn die Frauen nur um die Wirkung einer tiefen Stimme wüssten… vielleicht sollte ich dazu demnächst auch mal etwas schreiben).


Also Gefühle und Stimme stehen irgendwie in Beziehung zueinander, um wieder auf das ursprüngliche Thema zu kommen… Bauen wir das einmal zusammen auf: Gefühle haben wir alle – immer und überall, behaupte ich mal ganz pauschal. Diese entstehen in unserem Gehirn und manifestieren sich in körperlichen Reaktionen – wenn ich traurig bin, weine ich, wenn ich fröhlich bin, lächele ich. Darüber hinaus fördern Gefühle allerdings auch subtilere körperliche Reaktionen. Manch einer hat in Stresssituationen keinen Hunger, kann nichts essen oder verspürt sogar Übelkeit. Wie ist sieht es mit „Wut“ aus? Dazu ein kleines Beispiel:

Ein Mann steht an einem Samstagnachmittag an der völlig überfüllten Supermarktkasse und hat es eilig. Seine Freunde sind schon im Anmarsch und er hat das Bier vergessen. Plötzlich drängelt sich ein anderer Kunde an ihm vorbei und stellt sich einfach vor ihn - denjenigen von euch, der das gelassen sieht, will ich sehen ;-). Der Mann wird also wütend. Unser Gehirn hat für eine solche Stresssituation zwei Handlungsalternativen vorgesehen:Kampf oder Flucht Kampf oder Flucht (ich gebe zu, dass Flucht im eigentlichen Sinne hier unwahrscheinlich ist, spielt aber gerade keine Rolle). Das Gehirn des Mannes denkt also „aggressiv“ und er muss sich entscheiden, die Unverschämtheit entweder zähneknirschend hinzunehmen (im wahrsten Sinne des Wortes) oder etwas wie „Hallo? Hier wird sich nicht vorgedrängelt! Stell dich gefälligst hinten an!“ zu äußern. Was passiert zeitgleich in seinem Körper? Stresshormone werden freigesetzt und diese wirken auf den ganzen Organismus, beispielsweise indem die großen Oberschenkelmuskeln stärker durchblutet werden (Kampf oder Flucht…). Entscheidet er sich für Kampf, wird er sich aufrichten, um bedrohlicher zu wirken – ja, das klingt alles sehr archaisch und das ist es auch, denn unser Großhirn, gemacht für Affektkontrolle, Ratio, etc., ist der jüngste Teil des Gehirns und momentan befindet sich unser Proband unter der Kontrolle des Reptiliengehirns… Er plustert sich also auf, hebt das Kinn und stellt sich seinem Gegner. Welchen Stimmklang würden wir an dieser Stelle von ihm erwarten? Genau, einen tiefen, satten und grollenden – Bruce Willis-mäßig eben und zwar aus tiefster Überzeugung heraus.


Das Beispiel war zugegebenermaßen etwas überzeichnet, sollte aber genau die Überzeugung veranschaulichen, die notwendig ist, um die verbale „Drohung“ glaubhaft rüberzubringen. Wäre der Mann nicht so selbstbewusst aufgetreten, wie hätte seine Stimme dann geklungen? Möglicherweise eher brüchig und definitiv nicht so voll und drohend.

Unser Stimmklang richtet sich also nach unseren Gefühlen. Jetzt stellt euch mal eine sehr zurückhaltende und schüchterne Person vor. Am leichtesten zu beobachten sind die Phänomene übrigens bei Kindern…
Nehmen wir uns also einen kleinen Jungen von 6 Jahren, der während des laufenden ersten Schuljahres die Schule wechseln musste und nun gemeinsam mit der ihm unbekannten Direktorin schüchtern die neue Klasse betritt. Alle Kinder starren ihn an, immerhin die neue Lehrerin lächelt aufmunternd und bittet ihn nach vorne. Sekunden später steht er also vorne vor der ganzen Klasse und soll sich nun vor den 30 unbekannten Augenpaaren kurz vorstellen.
Wie so etwas klingt, können wir uns alle lebhaft vorstellen. Wenn ihr euch im Kontrast dazu einen kleinen dreijährigen Wutknubbel vorstellt, der im Supermarkt einen Brüllanfall bekommt, weil er seine Lieblingsschokolade nicht bekommt, wird der Zusammenhang zwischen Gefühlen und Stimme ebenfalls recht deutlich ;-)

Es ist also gerade im Stimmtraining immens wichtig, das Gemüt/ das Wesen und auch den tagesaktuellen (oder moment-aktuellen) emotionalen Zustand der Menschen zu erkennen und diesen beim weiteren Vorgehen zu berücksichtigen. Stimme ist akustische Präsenz! Diese hängt jedoch von der physischen Präsenz ab, aufgrund des Zusammenhangs zwischen Haltung, Atmung und Stimme, den ich bereits im Artikel zur „Balance der Stimme“ beschrieben habe. Heute kommen zu der Gleichung auch noch unsere Gefühle dazu und verdeutlichen damit die enorme Komplexität des Themas „Stimme“. Und so, wie unsere Körpersprache nicht lügen kann, kann es auch unsere Stimme nicht (zumindest nicht über einen längeren Zeitraum).

Nun treffe ich häufig auf Ansätze, die ich in älteren Artikeln als „Dressur“ bezeichnet habe, bei denen Menschen bestimmte Verhaltensweisen antrainiert werden. Ich denke, dass ich meine Meinung dazu bereits ziemlich deutlich gemacht habe… Wir können unsere Gefühle nur bedingt unterdrücken, irgendwann kommen sie zum Vorschein und für diesen Moment geben einem „Dressuren“ kein Rüstzeug. Alle Menschen haben Gefühle und das ist auch gut so, ansonsten könnten wir Roboter oder Diktiergeräte an das Rednerpult stellen und den Stoff runter rattern lassen. Wir wollen aber mit dem Referenten „mitschwingen“, von ihm mitgerissen werden (vgl. „Sympathiefaktor Stimme“) und das geht nur über Gefühle. Die Kunst ist es also nicht, Gefühle zu verstecken, sondern sie bewusst wahrzunehmen, zuzulassen und mit ihnen zu arbeiten! Das dazu nötige Verständnis der Zusammenhänge zwischen Stimme, Körpersprache und Gefühlen erarbeite ich in meinen Seminaren und Coachings. Erst diese Zusammenhänge erlauben es jedem, authentisch zu bleiben und trotzdem die gewünschte stimmliche und körpersprachliche Wirkung bei den Zuhörern zu erzielen.Stimmung macht Stimme

Hausaufgabe für euch: Beobachtet doch mal eure körperlichen Reaktionen auf bestimmte Gefühle. Wie haltet ihr euch, was passiert mit der Atmung und wie klingt eure Stimme dann?

Viel Spaß bei der Selbsterkundung, es wird spannend – versprochen ;-)

Meine Lieben,
Weihnachten steht vor der Tür und ich habe einen neuen und sehr prominenten Kunden gewinnen können, aber seht selbst ;-)

Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch in ein großartiges Jahr 2018!
Lacht, singt, tanzt und genießt die Zeit,
Eure Carina

 
Nach der Entscheidung, mich auf die Arbeit mit gesunden „Vielsprechern“ zu fokussieren, waren meine Arbeitsbereiche klar. Es dreht sich alles um Haltung, Atmung, Artikulation und natürlich die Stimme. Über die Körperhaltung kam ich gedanklich zum Thema Präsenz. Was ist das und wie bekommt man es? Es hat irgendwie mit Authentizität und Sympathie zu tun... Die Frage nach der Authentizität einer Person warf bei mir wiederum eine ganz andere Frage auf: Kann ich als Sprecher authentisch und trotzdem professionell sein?
 
 

Authentizität vs. Professionalität?

 
Während meiner Ausbildung lernte ich weitestgehend Stimm- und Sprechtrainer kennen, die ihren Kunden bestimmte Sprechweisen antrainieren, ihnen sagen, wo sie atmen sollen, wo sie ihre Hände nicht hinstecken dürfen und wie man „richtig“ betont und besonders artikuliert. Mit Letzterem tue ich mich als Phonetiker besonders schwer. Wer einmal Spontansprache segmentiert hat, weiß dass wir viele Worte, die wir auszusprechen glauben, nur fragmentartig artikulieren.

Kurzes Beispiel: Ich bin zu Studentenzeiten jeden Tag mit der U-Bahn zur Uni gefahren. Eines Morgens hatten wir es mit einem besonders nuscheligen U-Bahnfahrer zu tun, der bei jeder Haltestelle etwas von „schtal“ ins Mikrofon zischelte. Und ich habe tatsächlich einige Haltestellen gebraucht, um zu begreifen, dass dieses „schtal“ „nächster Halt“ heißen sollte.

Das ist sicher ein sehr extremes Beispiel, zeigt aber schön, dass wir dazu neigen, sich wiederholende Aussagen im schlimmsten Fall bis zur Unkenntlichkeit zu verkürzen. Weitere weniger ausgeprägte Beispiele für Spontansprache wären, dass wir fast nie „ich“ sagen, sondern meistens nur „ch“, oder dass ein „nehmen“ innerhalb einer Äußerung zu einem „nehm“ oder sogar „nem“ wird. Das fällt uns nur nicht auf, weil unser Zuhörergehirn den Rest normalerweise, wenn man nicht gerade mit Phonetikerohren hinhört, klammheimlich vervollständigt. Das nachfolgende Bild zeigt beispielsweise die Aufnahme von "Ich nehme gleich die Bahn.". Tatsächlich findet man hier eher: "Ch nem klaich ti pan" (die Darstellung ohne phonetische Transkription ist etwas unsauber, aber so sicher anschaulicher).

Transkript
 
 













Was ist also „sauberes“ Sprechen?


Nun kann man natürlich argumentieren, dass ein guter Sprecher ja eben gerade deutlicher artikulieren muss und möchte, als unser U-Bahnfahrer, was absolut richtig ist. Jedoch ist Sprechdeutlichkeit nicht binär und die deutsche Standardlautung ist nicht die mündliche Wiedergabe der Schriftsprache (auch wenn manche Sprechtrainer das zu meinen scheinen)!
Ich erspare euch an dieser Stelle die phonetischen Details zur Vokal- oder Silbenreduktion und verweise noch einmal auf das Beispiel von oben „nehmen“. In meinen Augen wäre eine Artikulation in Form von „nehmn“ - wobei zwischen m und n eine Art Mini-i oder Mini-e mitklingen würde - vollkommen ausreichend, um als saubere Aussprache durchzugehen (ohne phonetische Zeichen wird es an dieser Stelle wieder schwierig, die exakte Vokalqualität zu benennen, sorry). Überartikuliert man „nehmen“ als „nehmän“ („nehmEn“ zu sagen wäre natürlich totaler Blödsinn), klingt es ausgesprochen künstlich und wer will das schon? Besonders wenn das Ziel ist, die Sympathie der Zuhörer aufgrund der eigenen Authentizität zu erlangen.
 
 

Was ist denn nun eigentlich sympathisch?


Ist man denn wirklich nur sympathisch, wenn man auch authentisch ist? Ich würde sagen ja, es sei denn man ist ein sehr guter Schauspieler oder Psychopath, der es jahrelang trainiert hat, Menschen etwas vorzugaukeln ;-)
Ich habe bereits an mehreren Stellen auf meiner HP erwähnt, dass eine Mitteilung zu wesentlich größeren Anteilen aus nonverbalen Informationen besteht als aus verbalen. Paul Watzlawick nannte das die „Beziehungsebene“  (das Verbale übrigens die „Inhaltsebene“) und das nicht ohne Grund. Ich kann eine sachliche Information nicht effektiv übermitteln, ohne die passenden emotionalen Signale zu senden, ohne eine Beziehung zu meinem Hörer aufzubauen.

Stellt euch mal vor, eine Mutter geht zu ihrer pubertierenden Tochter und sagt ihr: „Während ich einkaufen bin, will ich, dass du dein Zimmer aufräumst!“, die Tochter lehnt sich zurück, verschränkt die Arme und bringt ein gequältes „ja“ hervor. Denkt ihr, sie tut es? Bestimmt nicht, obgleich sie verbal zugestimmt hat. Welche Beziehungsinformation hat sie ihrer Mutter denn geliefert? Klare Ablehnung... Vermutlich wird auch die Mutter der Tochter nicht geglaubt haben und nach dem Einkaufen sofort überprüfen, ob ihr Auftrag ausgeführt wurde. Wie das endet, können wir uns alle vorstellen ;-)

Das „Ja“ der Tochter war also nicht authentisch, weil Inhalts- und Beziehungsebene sich widersprochen haben. Übertragen wir das auf „trainierte“ Sprecher (wäre ich böse, würde ich dressiert sagen...).

Stellt euch den Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens aus unserer Region vor. Ein lebhafter kleiner Mann Ende 40, der einen erfolgreichen Handwerksbetrieb hochgezogen hat, auch mal selber anpackt, jedoch mittlerweile überwiegend mit Kundenakquise und Verwaltung beschäftigt ist. Auf der Weihnachtsfeier im vergangenen Jahr klang der Beginn seiner Ansprache ungefähr so: „Leute, dat letzte Jahr ham wa janz schön vill jeschafft!“, wobei er dabei lässig eine Hand in die Hosentasche steckte und mit der anderen sein Bierglas in die Luft streckte – lautes Gejohle im Saal!
Im Laufe des folgenden Jahres wurde er von anderen Unternehmern seines Unternehmerstammstisches darauf hingewiesen, dass man, um noch erfolgreicher zu sein, einen Rhetorikkurs und ein Sprechtraining besuchen muss – „die wohlhabende Kundschaft lege Wert auf eine gute Ausdrucksweise“. Unser Unternehmer lässt sich also coachen und lernt, wie man korrekt artikuliert und wie man sich halten und gestikulieren muss.  Die nächste Weihnachtsfeier kommt und der Unternehmer ist zum ersten mal aufgeregt, weil er gleich eine professionelle Ansprache vor seinen Angestellten halten möchte, um so richtig gut anzukommen. Er steht von seinem Stuhl auf, überlegt kurz, entscheidet dann, sich doch lieber vorne vor das Buffet zu stellen, denn er muss ja von jedem gut gesehen werden. Er steckt eine Hand in die Hosentasche...  nein, das wirkt ja passiv...  steht also da und weiß nicht recht wohin mit seinen Händen, denn sein Bierglas hat er in der Eile an seinem Platz stehen lassen... egal, weiter im Text und immer schön souverän wirken... „Verehrte Mitarbeiter, dieses Jahr haben wir einen noch höheren Umsatz als im letzten Jahr erwirtschaftet!“ – Stille. Der eine oder andere klatscht vielleicht noch, die meisten sehen jedoch irritiert aus.


Was ist passiert? Bei der ersten Weihnachtsfeier war der Geschäftsführer sympathisch, weil er „echt“ war. Nach der Dressur hingegen nicht mehr. Er war verunsichert, konnte körpersprachlich nicht die richtigen Signale senden und das „Hochdeutsch“ stand ihm, gerade in diesem Setting, leider gar nicht, sondern wirkte sehr gestelzt. Der Mann hatte seine Persönlichkeit, die für gewöhnlich quirlig und echt in seinem Dialekt sprechend war, durch antrainierte Verhaltens- und Sprechweisen ersetzt, in denen er (und das ist jetzt wichtig) sich selbst nicht wohlfühlte!!! Er war nicht mehr authentisch und irritierte damit seine Belegschaft, die durch widersprüchliche Botschaften auf Beziehungs- und Inhaltsebene so abgelenkt war, dass der Inhalt über den tollen Gewinn sie gar nicht mehr erreichen konnte – wie gesagt, die Beziehungsebene ist weit wichtiger als die Inhaltsebene.

 

Fazit

authentical
Schaffen wir es authentisch zu sein, wirken wir sympathisch und sind damit in der Lage, unsere Informationen viel besser zu vermitteln, weil wir die Zuhörer nicht durch Widersprüche zwischen verbalem und nonverbalem Inhalt verwirren. Mein größtes Anliegen ist daher, meinen Kunden ihr verschüttetes Potenzial zu zeigen und sie auf einen Weg der Selbstoptimierung zu führen, um dadurch noch erfolgreicher zu kommunizieren. Wir verstärken also Vorhandenes, anstatt Fehler zu korrigieren, denn ich möchte niemanden verbiegen oder dressieren.

Es kann sein bzw. es ist sogar meistens so, dass sich aufgrund der Arbeit an Haltung und Ausdruck und der Verbesserung der Eigenwahrnehmung in puncto Selbstwertgefühl etwas tut. Das empfinden meine Kunden jedoch als sehr positiv und können es daher annehmen und vertreten – sie fühlen sich damit wohl und wirken trotz der Veränderung authentisch. Genau das ist das Ziel!
Ich möchte an dieser Stelle, um keinen falschen Eindruck von Trainern zu erwecken, noch kurz anmerken, dass ich mittlerweile sehr viele hervorragende Kollegen kennenlernen durfte, die meine Ansicht teilen. Genaues Hingucken bei der Auswahl eines Trainers ist jedoch in jedem Fall anzuraten. Sucht euch am besten jemanden, der euch sympathisch ist – ihr wisst ja jetzt wieso ;-)
 

Meine Lieben,
unsere Gehirne sind nicht so modern, wie wir glauben. Wenn wir aktuell unseren Bundestagsanwärtern lauschen, haben wir gerne hier und da mal das Gefühl, dass uns jemand inhaltlich überzeugt. Aber ist es tatsächlich der Inhalt, der überzeugt? Wie argumentieren wir denn, wenn uns jemand nicht überzeugt? Zumindest mir geht es so, dass ich dann schnell denke „der ist unsympathisch“, „so ein Quatsch“ etc. – das sind emotionale oder zumindest emotional eingefärbte Argumente. Die Frage ist, wie emotional sind eigentlich unsere positiven Eindrücke? Wenn uns jemand überzeugt, liegt es dann daran, dass wir die Person sympathisch finden, dass sie souverän und überzeugend wirkt? Definitv auch!

Auch wenn ich es schon öfter erwähnt habe, eine Äußerung hat eine Inhalts- und eine Beziehungsebene. Und welche ist die gewichtigere? Genau, die Beziehungsebene. An dieser Stelle kann sich unser Verstand dagegen wehren, von Gefühlen übertrumpft zu werden (und Tatsache ist, dass der Anteil der Ratio bei jedem Menschen etwas anders ist) oder wir akzeptieren, dass eine Fülle nonverbaler Informationen uns beeinflussen und befragen auf dieser Basis erneut und ganz bewusst unsere Ratio, was eigentlich der ausschlaggebende Faktor unserer Wahlentscheidung ist.

Ich spreche an dieser Stelle keine Wahlempfehlungen aus. Jeder muss seine Entscheidung eigenverantwortlich treffen und wenn jemand beschließt, sich von Emotionen leiten zu lassen, so ist das auch eine bewusste Entscheidung! Ich bitte euch nur, euch eure Wahlgrundlage bewusst zu machen, weil es Parteien gibt, die massiv  - und meiner Meinung nach gezielt unter dem Deckmäntelchen der Sachlichkeit - auf die Beziehungsebene gehen, um euch zu manipulieren! Falschinformationen können sehr überzeugend wirken, wenn sie entsprechend vorgetragen werden, und besonders bei Argumenten mit einer moralischen Komponente solltet ihr sehr hellhörig werden und diese mit größter Vorsicht prüfen. Beim Thema Moral wirken in unserem Gehirn nämlich sehr tief verankerte Mechanismen, denen wir uns kaum entziehen können…

Egal welche Wahlentscheidung ihr letztlich trefft, wichtig ist, dass ihr eine trefft und diese am Sonntag mit einem netten Kreuzchen an der richtigen Stelle markiert. Also Leute, geht fleißig wählen und nutzt eure Stimme zur Mitgestaltung unserer gemeinsamen Zukunft!
 


Sportarten, die die Stärkung des Körpers gepaart mit der nötigen Flexibilisierung zum Ziel haben, sind gut für unsere Stimme, denn eine kraftvolle Stimme braucht einen kräftigen und trotzdem flexiblen Körper. Leider bewegen wir uns heute zu wenig oder zumindest zu einseitig, was zu Haltungsfehlern und dadurch zu Funktionsfehlern führt.

Die Basis für einen vollen Klang ist ein passender Resonanzkörper. Das gilt auch für den Stimmklang und grundsätzlich besitzt jeder von uns die nötigen Resonanzräume, um sein stimmliches Potenzial voll entfalten zu können. Dazu müssen wir jedoch dafür sorgen, dass unsere Muskulatur eine ausgeglichene Spannung aufweist (Eutonus). Sind wir in einem Hypertonus, ist die Spannung zu hoch. Beim Hypotonus ist sie zu niedrig. Meistens finden sich Mischformen von beidem, weil zu viel Anspannung an der einen Stelle stets durch zu viel Spannung an einer anderen Stelle ausgeglichen wird. Im Grunde ist es fantastisch, dass wir zu einem solchen Ausgleich in der Lage sind, denkt man beispielsweise an gravierende Verletzungen des Bewegungsapparates, für unsere Stimme sind diese Ausgleichshaltungen jedoch suboptimal. Viele Menschen haben beispielsweise einen Hypotonus in der Rumpfmuskulatur, die zu einem Hypertonus im Bereich des Kehlkopfes führt.

Man sitzt heute viel vor dem PC, die Schultern fallen nach vorne, der Rücken ist rund... um den Bildschirm dennoch sehen zu können, müssen wir aus dieser Haltung heraus den Kopf heben, was zur Überstreckung des Halses führt und damit wiederum den Kehlkopf betrifft, der damit unter Zugspannung steht, was die Stimmlippen spannt und damit das entpannte Phonieren ("Stimme geben") verhindert. „Ach, das muss der Kehlkopf ab können...“, kann er auch, aber nicht ganz ohne Folgen.
 


Der Selbsttest


Probiert doch mal folgendes aus: Sprecht immer denselben Satz oder auch einfach ein langgezogenes „aaaaaaa“ in den verschiedensten möglichen (und unmöglichen) Haltungen (liegend, stehend, sitzen, verknotet....) und achtet dabei auf den Klang eurer Stimme. Am besten wäre es, wenn ihr die Diktierfunktion eures Smartphones nutzt, um das langgezogene "a" aufzunehmen, dann könnt ihr den Unterschied besser wahrnehmen. Achtet bei der Aufnahme nur bitte darauf, dass ihr möglichst keine Umgebungsgeräusche habt und sich das Mikrofon eures Smartphones immer in derselben Entfernung zu eurem Mund befindet, um das Ergebnis wirklich vergleichen zu können.

Im Anschluss daran versucht ihr es dann noch einmal in folgender Haltung:
 
  1. Stellt euch schulterbreit hin, Füße möglichst parallel
  2. Drückt die Knie durch und gebt dann ein klein wenig nach, so dass die Beine gestreckt, aber nicht durchgedrückt sind (übrigens der Klassiker bei besonders sturen Menschen, achtet mal drauf ;-) )
  3. Pendelt euer Becken aus (so lange nach vorne und hinten kippen, bis ihr den Schwerpunkt gefunden habt)
  4. Lasst den Bauch los (ja Mädels, ihr auch – guckt ja gerade keiner!) und atmet tief in den Bauch hinein (die Bewegung der Bauchdecke sollte deutlich sichtbar sein)
  5. Hebt das Brustbein ein wenig, ohne ins Hohlkreuz zu gehen
  6. Lasst die Schultern nach hinten und unten fallen und die Arme locker hängen
  7. Senkt das Kinn ein wenig, so dass der Nacken schön lang werden kann (Setzt euch ein imaginäres  Krönchen auf den Kopf, aber OHNE die Nase hoch zu nehmen)
  8. Atmen nicht vergessen!
  9. Lasst den Unterkiefer locker (Lippen locker aufeinander gelegt)
  10. Nach ein paar entspannten Atemzügen in die Tiefen eurer Eingeweide nochmals das „aaaaaaa“

Und, hat sich etwas verändert?
Ja, aber die Haltung fühlt sich komisch an? Das glaube ich sofort!

 

Die Ursache


Wir sind es nicht gewohnt, aufrecht zu stehen. Meistens haben wir schlechte Haltungsangewohnheiten oder stehen im Energiesparmodus auf einem Bein, irgendwo angelehnt oder ähnliches. Im Grunde kein Problem, wenn man aber sein stimmliches Potenzial ausschöpfen möchte, kontraproduktiv.

Das soll auf gar keinen Fall heißen, dass ihr bei der nächsten Präsentation stocksteif in dieser Haltung verharren sollt. Bitte nicht! Bewegt euch, wandert umher, stellt euch auf ein Bein, seid flexibel, aber übt diese „optimale Haltung“ und denkt hin und wieder an die Details, während ihr sprecht - man kann auch in der Bewegung einen langen Nacken haben und tief in den Bauch atmen.  
Und wenn ihr gerne etwas in der Hand haltet, während ihr vortragt, dann presst die Ellenbogen nicht an den Körper, sondern lasst den Armen etwas Luft, das unterstützt zudem die gestischen Äußerungsmöglichkeiten.

Um wieder auf meinen Titel zurückzukommen: Letztendlich müssen wir, um unsere stimmliche Durchsetzungsfähigkeit zu verbessern, an unserer physiologischen Aufrichtung arbeiten und dabei unterstützen uns gerade fernöstliche Sportarten (Yoga, Tai Chi...) oder auch der Tanz, wobei hier nicht in jedem Bereich explizit an der Haltung gearbeitet wird. Tanzen jedoch unterstützt die Balance, die widerum mit der Aufrichtung zusammenhängt.

 

Mein Tipp!Tanz

Übt euch in der Selbstbeobachtung. Nehmt eure Haltung einfach nur wahr, wann immer ihr daran denkt, ohne sie zu bewerten. Der Aufwand ist gering und ihr könnt es immer und überall tun (vorm Fernseher, am Schreibtisch, an der Supermarktkasse, beim Vortrag...). Anschließend könnt ihr bei anderen Menschen weitermachen, aber bitte ebenfalls wertneutral! Setzt euch ins Café und beobachtet einfach mal die Menschen in eurer Umgebung.

Viel Spaß dabei ;-)

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